Moltkeviertel (37)

Hervorragendes Beispiel für den frühen Reformstädtebau in Deutschland ab 1905 mit viel Stadtgrün, Gartenstraße (Semperstraße), zahlreichen denkmalgeschützten Bauwerke und sehenswerten Kunstwerken
  • Von der Haltestelle Moltkestraße kommt man über die baumbestandene und teils von Vorgärten begleitete Moltkestraße über eine sehenswerte Brücke in das gehobene Wohnviertel. Das Moltkeviertel ist ein hervorragendes Beispiel für den frühen Reformstädtebau in Deutschland ab 1905. Ein Spaziergang durch die Straßen mit Blick auf die herrlichen Villen und Häuserzeilen samt Vorgärten ist äußerst lohnenswert.

    Das Moltkeviertel wurde von dem Essener Stadtplaner Robert Schmidt Anfang des 20. Jahrhundert als Antwort auf den Mangel an hochwertigem Wohnraum für das Bürgertum der aufstrebenden und wohlhabenden Stadt Essen angelegt. Alle Grünflächen wurden bei der städteplanerischen Konzipierung detailliert geplant. Als Alleen ausgebaute Hauptstraßen und kleinere, geschwungene Wohnstraßen mit großen Vorgärten prägen das Bild. Hier ist besonders die Semperstraße mit dem Beinamen „Gartenstraße“ zu nennen. Die Idee Robert Schmidts war es, das Grün des Ruhrtals über das Siepental, den Camillo-Sitte-Platz, und die Vorgärten in der Semperstraße bis hinunter zum Moltkeplatz zu führen.

    Dies ist bis heute eine für Essen typische Situation: Grünbereiche verbinden die verdichtete Stadtmitte mit dem Stadtrand und schaffen somit zahlreiche Einstiege in das Essener Grün. Damals wie heute war und ist den Stadtplanern bewusst, dass Grünanlagen, Spielplätze und Waldflächen einen großen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen für die Bewohner bedeuten.

    Auch heute bildet das Moltkeviertel noch eine wunderbare städtebauliche Einheit in Bezug auf Stadtplanung, Architektur, Grünanlagen (siehe auch Wiebeanlage) und Kunst. Wahrzeichen des Viertels ist der große Uhrenturm des Robert-Schmidt-Berufskollegs, der vormaligen Königlichen  Baugewerkschule. In der Schinkelstraße 34 liegt das frühere Wohnhaus des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann. Größte Grünanlage des Viertels ist der Moltkeplatz mit seiner vielfältigen Nutzung: Bereits bei seiner Anlage Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Aufteilung in Tennisanlagen, weitere Sport- und Spielflächen und Erholungsbereiche geplant.

    Ein Ensemble hochwertiger Skulpturen auf dem nördlichen Moltkeplatz, für das seit 2007 ein von Anwohnern gegründeter Verein die Patenschaften übernommen hat, bildet einen markanten Anziehungspunkt und ein lohnendes Ziel für Jedermann.

    Zusatz-Tipp:
    Folgt man der Moltkestraße aus dem Moltkeviertel hinaus über die Ruhrallee nach Osten, so gelangt man jenseits der Steeler Straße bis zum Parkfriedhof, auf dem sich u.a. das Grab Robert Schmidts befindet (an Feld 8 Nr. 91). Die als grüne Allee angelegte Moltkestraße, natürliche Siepentäler, die vom Ruhrtal kommend in Grünstreifen in die bebaute Stadt übergehen, in die Landschaft integrierte Großbauten wie das Ruhr-Kolleg (ehemals Lehrerseminar, gebaut von Edmund Körner) und der schöne Abschluss mit dem „camposantoartigen“ Parkfriedhof, der auf hügeliger Kuppe mit Waldumgebung liegt, bilden einen wunderschönen Spaziergang von etwa 1,5 km Länge.

    Literatur:
    Tankred Stachelhaus: Das Essener Moltkeviertel - Weltweit einzigartige RaumKunst, Köln 2010 (erhältlich u.a. über  KaM(at)kunst-am-moltkeplatz.de   Tel. 0201 261366).

    Essens bunte Seite: Südostviertel & Huttrop - Der Stadtteilführer von Bürgern für Bürger, Initiativkreis „Essens bunte Seite“ c/o Storp9, Essen 2014 (erhältlich u.a. über  info(at)essens-bunte-seite.de   Tel. 0201 839 8796).

    Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Moltkeviertel

    Wegbeschreibung

    Von (H) Moltkestraße

    250 m bis zum Moltkeviertel

    Moltkestraße Richtung Osten folgen, links Moltkeplatz, unten Skulpturenwiese, dann rechts Semperstraße