NaturLinie 105

Natur in einer Großstadt? Ja!

Essen ist grün.

Essen ist eine Stadt, die Natur und Kultur vereint und dies an vielen guten Beispielen dokumentieren kann: 2,6 Millionen Bäume, ein Weltkulturerbe, europäische Kulturhauptstadt 2010, grüne Hauptstadt Europas 2017, bedeutende Architektur von Aalto bis Zollverein, eine Gartenvorstadt von europäischem Rang, ein architektonisch bedeutender Dom mit wertvollem Domschatz, urwüchsige Täler sowie eine Stadtplanung, die Stadt und Natur vereint.

An der NaturLinie 105 lässt sich die durchgrünte Stadt eindrucksvoll erleben: Auf ihrer etwa 20 Kilometer langen Strecke befinden sich idyllische Grüntäler mit kleinen Bächen wie zum Beispiel das Hexbachtal, parkähnliche Friedhöfe, durchgrünte Wohnsiedlungen wie im Moltkeviertel sowie Wälder und Naturschutzgebiete. Der Grugapark wird als Exkurs angeboten – gut erreichbar auch mit dem Fahrrad. Neben historischen Parkanlagen wie dem Schlosspark Borbeck gibt es in Essen auch neue große Parks wie beispielsweise den Krupp-Park im ThyssenKrupp Quartier.

Die NaturLinie 105 fährt durch die dicht bebaute Stadt, zeigt aber vielerorts das Bestreben der Essener Stadtplaner, zu Beginn des Reformzeitalters, das Stadtgrün in die Stadt zu holen.

Essen ist hügelig

Höhen und Hügel, Täler und Tiefen – die Topografie Essens ist abwechslungsreich und zeigt sich entlang der Strecke der NaturLinie 105 von ihrer schönsten Seite. Die NaturLinie 105 durchfährt Emscherzone, Hellwegzone und Ruhrtal – schnell wird dem Fahrgast klar: Essen ist eine grüne und hügelige Stadt!

Angenehme Temperaturen

Klimatisch betrachtet liegt das Ruhrgebiet im Bereich des Westwindgürtels mit kühl-gemäßigten Sommern und mäßig-kalten Wintern – das heißt in Essen herrschen angenehme Temperaturen. Die Nähe zur holländischen Küste beschert Essen atlantisches Klima.

Verbindung von Stadt und Natur: Reformstädtebau

Der Reformstädtebau entwickelte sich im 20. Jahrhundert; er zeichnete sich einerseits durch Traditionsbewusstsein aus, war aber andererseits um Reformen bemüht. Ziel war es, eine städtebauliche Einheit mit weiten Durchlüftungszonen in Form breiter Straßen und durchgehender Grünzonen zu schaffen.

Parkanlagen, Baumalleen und Vorgärten mitten im Stadtgebiet zählten zu diesem Konzept. (Übrigens: Von den Hauptstraßen, auf denen die Linie 105 fährt, gehen 80 Seitenstraßen ab. 40 dieser Straßen sind mit Vorgärten ausgebaut - dadurch wirkt der Straßenraum großzügiger und freundlicher.) An der NaturLinie 105 sind diese städtebaulichen Gedanken besonders gut im Moltkeviertel, aber auch in der Krupp-Siedlung Residenzaue oder in der Hirtsiefer-Siedlung erlebbar. Dort erkennt man den von Camillo Sitte propagierten künstlerischen Städtebau mit leicht gekrümmter Linienführung. Nach funktionalen und künstlerischen Gesichtspunkten wurden Plätze und Grünanlagen in die Komposition eingefügt. Die Parkanlagen wurden großzügig angelegt mit zum Teil großen Spiel- und Sportbereichen in unmittelbarer Nähe der Wohnhäuser. Selbst die Tennisplätze wurden bereits 1908 geplant. Die Ideen des Reformstädtebaus, des Volksparkgedankens und der Gartenstadt finden heute noch große Anerkennung und machen diese Stadtviertel äußerst lebenswert.

Reformarchitektur

Die Reformarchitektur wandte sich Anfang des 20. Jahrhunderts gegen den Historismus, indem sie versuchte, sachliche und schlichte Formen in die Architektur einzuführen. Zentrale Elemente waren Licht und Luft, sanitäre Anlagen und viel Grün – der Mensch stand im Vordergrund.

Wohnstadt Essen

„Die ganze südliche Hälfte des Stadtgebietes […] ist ausschließlich Wohnstadt. Bei dem Ausbau dieser Wohnstadt ist man von dem alten System geschlossener Einzelparkanlagen abgegangen und hat die ganze Wohnstadt mit kleineren oder größeren Grünzügen durchflochten. Von größeren Anlagen ist das innerhalb eines der schönsten Großwohnungsviertel gelegene Bernewäldchen mit herrlichen alten Baumbestand zu nennen.“
(Rudolf Korte, Vom Essener Grün, aus: Deutschlands Städtebau Essen, Dari-Verlag, H. Ehlgötz, 1925)

Naturdenkmale

An der Linie liegen zahlreiche Naturdenkmale wie beispielsweise uralte Platanen, Eiben, Linden und Bergahorn sowie zahlreiche Findlinge unterschiedlicher Größe.

Borbecker Grüntäler

Das Schloss Borbeck ist die Perle der Borbecker Grüntäler. Der nordwestliche Stadtteil Borbeck ist reich an Grüntälern (reizvolle, urwüchsige Grünanlagen in welliger Landschaft) – welche bereits damals durch einen neu aufgestellten Siedlungsplan in das Gesamtgrünsystem des Stadtgebietes eingefügt worden sind. Der heutige Stadtteil Borbeck besitzt immer noch diese Grüntäler, die ihn zu einem gartenstadtähnlichen Vorort machen. Rudolf Korte, Gartendirektor der Stadt Essen hat diese städtebauliche Situation aus Grün und Bebauung in einem schönen Bild erklärt: "Die Borbecker Grüntäler bilden eine 'grüne Hand' mit 'fünf Fingern' und dem Schlosspark im Zentrum." (Korte, Rudolf: „Vom Essener Grün“; Deutschlands Städtebau Essen, Dari-Verlag, H. Ehlgötz, 1925) Die Naturlinie 105 erschließt dieses Grünsystem, da sie alle fünf Finger kreuzt.